Die geopolitischen Spannungen zwischen Taiwan und China nehmen rasant zu. Die chinesische Marine führt häufig militärische Operationen in der Umgebung des Inselstaates durch, die Taiwan entsprechend ernst nimmt. Auch chinesische Handels- und Fischereischiffe stellen eine Gefahr dar: Sie können Kommunikationskabel und andere Infrastrukturkomponenten beschädigen, um den regulären Betrieb des Landes zu stören. Solche Vorfälle hat es bereits mehrfach gegeben. Deshalb werden die 24 Tiefsee-Kommunikationskabel ständig überwacht, ebenso wie die knapp 100 chinesischen Schiffe, die in den Gewässern rund um den Inselstaat kreuzen.
Taiwans Regierung plant, den chinesischen Grauzonenoperationen mit einer neuen Drohnenflotte zu begegnen. Entsprechende Versuche laufen bereits. Der Ocean Affairs Council hat dafür Forschende der National Cheng Kung University beauftragt. Auch die Coast Guard Administration ist an dem Vorhaben beteiligt, das den Schutz des Inselstaates verbessern soll. Die Forschenden haben bereits mehrere Flugsimulationen durchgeführt. Zuletzt konnten sie zwei separate Flotten mit jeweils zehn Drohnen gleichzeitig steuern. Damit befindet sich der Test bereits in seiner zweiten Phase, nachdem zunächst die Steuerung einzelner Drohnen erprobt worden war.
Nach den simulierten Flügen sollen die Flotten in Kürze auch über dem Meer zum Einsatz kommen. Dabei soll sich zeigen, wie die einzelnen Drohnen und die Flotten unter realen Bedingungen zusammenarbeiten und wie sie auf wechselnde Wetter- und Seebedingungen reagieren. Die Forschenden haben die Drohnen so programmiert, dass sie im dreidimensionalen Raum einen Abstand von 100 Fuß zueinander halten. Zugleich fliegen sie in einer Formation mit einer führenden Drohne und nachfolgenden Einheiten. Auch auf das dynamische Ausweichen vor Hindernissen wurden sie vorbereitet. Dank fortschrittlicher Steuerung und Sensorik sollen sowohl die Flotten als auch die einzelnen Drohnen unter rasch wechselnden Bedingungen auf See verschiedene Schutzaufgaben wirksam erfüllen und auf unerwartete Gefahren reagieren können.
Ziel ist der Aufbau eines vollständig autonomen Systems, in dem unterschiedliche Drohnentypen abgestimmt zusammenarbeiten, Aufgaben untereinander aufteilen, Routen planen und ihre Bewegungen effizient koordinieren. Dabei sollen sie vor allem Schutzaufgaben auf See übernehmen.
Das Projekt setzt derzeit mehrere westliche Drohnentypen ein, darunter den Flexrotor, die Jump 20 und die V-BAT. Letztere stammt vom US-Rüstungszulieferer Shield AI und wurde erst kürzlich an die CGA ausgeliefert, die große Hoffnungen in sie setzt. Die Drohne kann aus dem Stand senkrecht starten. Damit lässt sie sich nicht nur auf Flugzeugträgern einsetzen, sondern auch auf herkömmlichen Schiffen, auf denen für solche Zwecke nur sehr wenig Platz zur Verfügung steht. Die V-BAT kann mehr als zwölf Stunden ohne Unterbrechung in der Luft bleiben und eignet sich damit auch für längere Missionen. Ein weiterer Vorteil: Dank ihrer Fähigkeit zum Senkrechtstart müssen vorhandene Schiffe für ihren Einsatz nicht umgebaut werden.
Die neue Drohnenflotte soll in Kürze auch im realen Einsatz erprobt werden. Die Hoffnung ist, dass China dadurch genauer abwägt, ob es militärische Grauzonenoperationen in der Umgebung des Inselstaates durchführt. Ob eine solche Flotte abschreckend wirkt oder lediglich Öl ins Feuer gießt, wird sich erst später zeigen.
































