KI-Rechenzentren werden derzeit in recht hohem Tempo errichtet, auch wenn die Dynamik an einigen Stellen bereits nachzulassen beginnt – was oft nicht nur daran liegt, dass es nicht genügend Hardware gibt, mit der man diese riesigen Gebäude ausstatten könnte, sondern auch darin, dass die lokale Infrastruktur schlichtweg nicht auf die Belastung vorbereitet ist, die die Inbetriebnahme eines solchen KI-Rechenzentrums mit sich bringt. Auch die Bevölkerung protestiert zunehmend gegen solche Investitionen, da diese einerseits viel Wasser und Strom verbrauchen, was die Versorgungssicherheit der Bevölkerung gefährden kann, und andererseits die Energiepreise aufgrund dieser Projekte steigen könnten, da die erhöhte Belastung schwieriger zu bewältigen ist, es kommt häufiger zu Störungen, und der Ausbau des Stromnetzes ist zudem mit Kosten verbunden.
In Europa und den Vereinigten Staaten werden diese Bauwerke nicht mehr unbedingt mit offenen Armen empfangen, weshalb Investoren begonnen haben, ihren Blick auf Australien zu richten, da es dort reichlich bebaubares Land gibt, es viele erneuerbare Energiequellen gibt und die Bevölkerung in dieser Region solche Bauvorhaben vielleicht noch nicht gänzlich ablehnt. Auch die australische Regierung hat diese neue Investitionsstrategie zur Kenntnis genommen und angesichts der negativen internationalen Beispiele beschlossen, rechtzeitig ein geeignetes regulatorisches Umfeld zu schaffen, um die Ausbreitung unerwünschter negativer Auswirkungen zu verhindern. Laut Mitarbeitern der „New York Times“ hat der australische Premierminister Anthony Albanese deutlich gemacht: Australien wird das weltweit erste Land sein, das den Betrieb von KI-Rechenzentren in einen Rahmen einbindet, und zwar in Form eines einheitlichen nationalen Regelwerks.
Die Ausarbeitung der Vorschriften ist noch im Gange, d. h., es ist noch mit kleineren oder größeren Anpassungen zu rechnen, doch die Richtung ist eindeutig und klar. Das Ziel ist es, dass KI-Rechenzentren den für ihren Betrieb erforderlichen Strom selbst erzeugen und sparsam mit den Wasserressourcen umgehen, da Australien laut Daten der IGRAC der trockenste bewohnte Kontinent der Erde ist. Außerdem halten sie es für wichtig, dass die Betreiber von KI-Rechenzentren das geistige Eigentum und die damit verbundenen Urheberrechte respektieren, sei es bei Musik, verschiedenen Werken, literarische Werke, Zeitungen oder sonstige Inhalte. Sie möchten außerdem erreichen, dass die Vertreter der genannten Bereiche selbst die Kontrolle über den Preis und den Wert ihrer Arbeit ausüben. Nach Ansicht des australischen Premierministers ist alles, was diese Erwartungen nicht erfüllt, schlichtweg Diebstahl.
Obwohl die Bevölkerung und die Kreativszene die Nachricht von den geplanten Regelungen insgesamt positiv aufgenommen haben, sind Vertreter der KI-Branche und Wirtschaftsakteure nicht ganz so begeistert, denn ihrer Meinung nach könnte eine übermäßige Regulierung dazu führen, dass Australien all jene Chancen verpasst, die KI-Rechenzentren, die sich im Land ansiedeln, bieten würden. Toby Walsh, Professor für KI-Wissenschaften an der Universität von New South Wales, ist insgesamt der Ansicht, dass die vom australischen Premierminister skizzierte Richtung richtig ist, da sie den Bedenken der meisten australischen Bürger hinsichtlich des Baus und Betriebs von KI-Rechenzentren Rechnung trägt; gleichzeitig weist er jedoch darauf hin: es sich dabei vorerst nur um Pläne handelt und die endgültigen Vorschriften noch in Arbeit sind. Seiner Meinung nach steckt der Teufel im Detail, wenn sich herausstellt, wie genau die australische Regierung die Vorschriften umsetzen will.