Die Entwickler von Social-Media-Plattformen ergreifen regelmäßig Maßnahmen, die grundsätzlich dazu dienen sollen, diese Umgebungen für Kinder sicherer zu machen. Verschiedene Länder und Organisationen stufen diese jedoch in der Regel als Scheinmaßnahmen ein, und immer mehr erwägen ein Verbot der Plattformen.
Frankreich hat nun konkrete Schritte unternommen und einen Gesetzentwurf verabschiedet, wonach es Jugendlichen unter 15 Jahren ab 2027 vollständig untersagt sein wird, Social-Media-Plattformen zu nutzen.
Mit 279 Ja-Stimmen und 81 Nein-Stimmen wurde der neue Gesetzentwurf mit überwältigender Mehrheit vom französischen Parlament verabschiedet. Demnach wird es Teenagern untersagt sein, auf Dienste wie TikTok, Snapchat, Instagram oder auch Facebook zuzugreifen. Die Umsetzung des Verbots erfolgt in zwei Schritten. Ab September 2026 können sich Personen unter 15 Jahren nicht mehr registrieren, und ab Januar 2027 wird allen Betroffenen der Zugang gesperrt.
Alle in Frankreich verfügbaren Social-Media-Plattformen werden verpflichtet sein, ein System zur Altersüberprüfung einzuführen, das nachweislich in der Lage ist, Minderjährige wirksam auszusortieren. Es gibt bereits mehrere Lösungen, die dafür geeignet sein könnten, wobei jedoch anzumerken ist, dass ihre Wirksamkeit in der Regel Gegenstand heftiger Debatten ist.
In den letzten Jahren haben zahlreiche Studien versucht aufzuzeigen, wie gefährlich soziale Medien in ihrer bisherigen Form für Jugendliche sind. In diesem Jahr hat eine aktuelle Studie der französischen Gesundheitsaufsichtsbehörde betont, dass Snapchat und ähnliche Plattformen besonders auf die psychische Gesundheit von Mädchen verheerende Auswirkungen haben. Emmanuel Macron hat bereits vor langer Zeit einen Kreuzzug gegen die sozialen Medien gestartet, um Kinder im Cyberspace zu schützen, da die Tech-Unternehmen dazu nicht bereit sind.
„Frankreich ist in Europa führend beim Schutz unserer Kinder und Jugendlichen“, betonte Emmanuel Macron. Der Präsident betonte, dass die Verabschiedung des Gesetzentwurfs als bedeutender Meilenstein sowohl für den Kinderschutz als auch für die Funktionsweise der sozialen Medien anzusehen sei.
In Europa sind die Franzosen die Ersten, weltweit sind sie das zweite Land, das auf dieser Ebene gegen soziale Medien vorgeht. Damit beschreiten sie einen nahezu unerforschten Weg. Ein vollständiges Verbot klingt nach einer guten Entscheidung, spaltet jedoch die Entscheidungsträger. Viele sind der Meinung, dass dies nicht der richtige Weg ist und dass mit einem strengeren, aber besser kontrollierbaren Beschränkungssystem bessere Ergebnisse erzielt werden könnten. Aktuelle Erfahrungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Jugendlichen Wege findet, irgendwie Zugang zu den großen Plattformen zu erhalten.
Kritiker äußern zudem Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und weisen darauf hin, dass Jugendliche, denen der Zugang zu den großen Online-Plattformen vollständig verwehrt wird, nach Alternativen suchen. So können Teenager auf Plattformen landen, die möglicherweise noch größere Gefahren bergen. In manchen Fällen sind diese völlig unreguliert und/oder liegen bislang außerhalb des Blickfelds der Behörden. Auch damit müssen sich die Franzosen fortlaufend auseinandersetzen.
Sie stehen vor einer großen Herausforderung, werden aber vielleicht in der Lage sein, Kinder wirksamer von den großen Online-Plattformen fernzuhalten als die Australier. Laut einer aktuellen Umfrage der australischen Internetaufsichtsbehörde nutzen weiterhin etwa 70 % der Kinder irgendeine Art von sozialem Netzwerk. Da sich dies anhand statistischer Daten nicht mehr erfassen lässt, wurden im Frühjahr Untersuchungen auf der Grundlage von Selbstauskünften der Eltern durchgeführt. Die Kinder sollen in der Lage sein, die Altersüberprüfungsdienste effektiv zu umgehen.
Das aktuelle Gesetz sieht außerdem vor, dass es Teenagern verboten sein wird, Smartphones in der Schule bei sich zu haben. Dazu muss jedoch angemerkt werden, dass die Nutzung von Mobiltelefonen in Schulen bereits bisher verboten war; diese Vorschrift wird lediglich auf eine höhere Ebene angehoben bzw. verschärft. Gegen diejenigen, die gegen diese Regel verstoßen, können nun Strafen verhängt werden, da sie gegen das geltende Gesetz verstoßen.