Man kann ohne Übertreibung sagen, dass sich heutzutage langsam alles um künstliche Intelligenz dreht: . Bereits weit über eine Milliarde Menschen chatten regelmäßig mit einem KI-Chatbot. Aus diesem Grund werden weltweit ununterbrochen neue Rechenzentren erweitert und gebaut. Die Bevölkerung hat davon jedoch zunehmend genug, und vielerorts können weder die Umwelt noch die Infrastruktur die Belastung mehr verkraften.
In den letzten Jahrzehnten haben immer mehr Menschen Probleme mit den großen und lauten Betrieben. Früher richtete sich der Protest der Menschen gegen riesige Fabriken, im letzten Jahrzehnt gerieten dann Batteriewerke ins Visier, und nun sorgen vor allem die Rechenzentren für die größten Spannungen. Sehr viele Menschen nutzen KI gerne, aber niemand möchte die Schattenseiten am eigenen Leib spüren.
Dank der unbegrenzten Geldsummen, die in die Entwicklung fließen, schießen kleinere und größere Rechenzentren buchstäblich innerhalb von Augenblicken aus dem Boden. Diese gehen in der Regel mit erheblicher Lärmbelästigung einher und stellen eine große Belastung für die lokale Infrastruktur dar.
Das größte Problem bei Rechenzentren ist neben dem Lärm meist der enorme Stromverbrauch. In den meisten Fällen sind die Stromnetze nicht ausreichend auf diese Investitionen vorbereitet. Selbst wenn die notwendigen Ausbaumaßnahmen in Angriff genommen werden, sind die Rechenzentren oft schon fertiggestellt, bevor die Infrastruktur ausgebaut ist. An manchen Orten wurden längst stillgelegte Kernkraftwerke wieder in Betrieb genommen, um den Bedarf einzelner neuer Rechenzentren decken zu können.
Darüber hinaus verbrauchen Rechenzentren in der Regel enorme Mengen an Wasser, und für die Bauvorhaben werden landwirtschaftliche Flächen geopfert. Oftmals sichern sich die Unternehmen die Standorte mit der besten Lage, ohne Rücksicht auf die Schäden für die Natur und die Bevölkerung zu nehmen. Es gab sogar Fälle, in denen der Betrieb eines Rechenzentrums das Wasserversorgungsnetz (Bewässerung und Trinkwasser) gefährdete.
Die größten und lautesten Proteste finden derzeit in den Vereinigten Staaten wegen verschiedener Rechenzentren statt. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass im Bundesstaat Virginia eines der bedeutendsten Rechenzentrumsprojekte, das „Digital Gateway“, endgültig gescheitert ist. In Virginia gibt es ohnehin bereits die größte Konzentration von Rechenzentren in den USA, und das „Digital Gateway“ hätte diesem Trend einen weiteren bedeutenden Schub verliehen. Auf einer Fläche von 2.100 Hektar hätten in 37 separaten Gebäuden Räumlichkeiten für Rechenzentren bereitgestellt werden sollen.
Eine frühere umfassende Studie kam zu dem Ergebnis, dass bereits rund 71 Prozent der US-Bürger gegen Rechenzentren sind. Mehr als zwei Drittel der Menschen lehnen es ab, dass in der Nähe ihres Wohnumfelds Rechenzentren jeglicher Art errichtet werden. Und diese Ablehnungsquote steigt kontinuierlich an, da die negativen Auswirkungen solcher Anlagen zunehmend in den Medien thematisiert werden.
Auch in Europa nehmen die Spannungen zwischen der Bevölkerung, den Regierungen und den Investoren wegen der Rechenzentren zu. In Irland verbrauchen Rechenzentren mehr Strom als alle städtischen Haushalte zusammen.
Irland war lange Zeit der größte Standort für europäische Rechenzentren, doch seine Infrastruktur war für weitere Erweiterungen schlichtweg nicht mehr ausgelegt. Erst durch das gemeinsame Engagement von zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Bevölkerung gelang es, die Regierung dazu zu bewegen, den Bau weiterer Rechenzentren zu stoppen, da Stromausfälle in vielen Gebieten bereits an der Tagesordnung waren. Laut einem diesjährigen Bericht von Bloomberg verbrauchen Rechenzentren in Irland bereits etwa 22 Prozent des Stroms.
Nach Irland wurde die Niederlande zum bevorzugten Standort großer Technologieunternehmen. In den Niederlanden sind bereits sehr viele „grüne“ Rechenzentren entstanden, und deren Expansion hält weiterhin an, doch die Regierung hat begonnen, die Ausbreitung der wirklich riesigen Rechenzentren strenger zu regulieren. In der letzten Zeit gab es größere Bürgerbewegungen, und so gelang es beispielsweise den Einwohnern der Kleinstadt Zeewolde, den Bau eines Rechenzentrums von Meta zu verhindern, was als großer Sieg gewertet wurde.
In letzter Zeit rückt auch Frankreich zunehmend in den Fokus der Rechenzentrumsplaner, da es dort zahlreiche Kernkraftwerke gibt. Anfang Juni gab SoftBank bekannt, dass es in Frankreich ein Investitionsprojekt im Umfang von 75 Milliarden Euro realisieren wird. Ziel ist es, ein Rechenzentrum mit einer Leistung von 3,1 GW zu errichten. Bereits in jenem Bericht haben wir darauf hingewiesen, dass Rechenzentren, die auf künstlicher Intelligenz basieren, für Europa eine besonders große Herausforderung darstellen könnten.
Es wird spannend sein zu beobachten, wie die Unternehmen in Zukunft die weitere Ausweitung der Rechenzentren bewältigen werden. An großen Plänen mangelt es keinem der Unternehmen – die „Big Tech“-Akteure streben in diesem Jahr Investitionen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar an. Das Problem der Energieversorgung könnte durch den Einsatz von SMRs gelöst werden, doch nach dem derzeitigen Stand der Dinge wird es noch Jahre dauern, bis dies Realität wird.