Angesichts der stetig steigenden Speicherpreise war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis wegen des Verdachts auf ein Preiskartell ein Verfahren gegen die drei großen Speicherhersteller eingeleitet würde, was kürzlich auch geschehen ist: Am 25. Juni 2026 wurde bei einem kalifornischen Bundesgericht eine Sammelklage eingereicht, denn nach Ansicht der Kläger hat das „Triumvirat“ der Speicherhersteller durch abgestimmte Maßnahmen dafür gesorgt, dass die Preise innerhalb von knapp einem Jahr dramatisch in die Höhe schossen. Im Rahmen der Sammelklage werden jene Käufer und gewerblichen Nutzer vertreten, die in der vergangenen Zeit aufgrund der teureren Speicherchips verschiedene Hardwarekomponenten und Komplettkonfigurationen zu höheren Preisen erwerben mussten.
Den Initiatoren der Sammelklage zufolge haben die Führungskräfte von Micron, Samsung und SK hynix in Zusammenarbeit dafür gesorgt, dass es auf dem globalen DRAM-Markt zu massiven Preissteigerungen kam. Um dies zu erreichen, konnten sie die Produktion klassischer DRAM-Chips schrittweise zurückfahren und sich stattdessen auf die Herstellung von HBM-Speicherchip-Sandwiches konzentrieren, die im Segment der KI-Beschleuniger ohnehin unverzichtbar sind, und für die inmitten des KI-Booms eine noch größere Nachfrage besteht als zuvor. Den Klägern zufolge haben die Unternehmen auf dem Markt für klassische DRAM-Chips eine Verknappung verursacht, wodurch Speicherchips, die auf dem älteren Speicherstandard basieren, erheblich teurer geworden sind.
Der Vorgang soll mutmaßlich koordiniert und nach einem sorgfältig ausgearbeiteten Szenario abgelaufen sein, was innerhalb von knapp einem Jahr zu einem Preisanstieg von rund 700 % auf dem DRAM-Markt führte und damit im Grunde eine „RAM-Apokalypse“ auslöste. Aus diesen Gründen sahen sich mehrere Hersteller zu Preiserhöhungen gezwungen; zuletzt hat Apple drastische Preisanpassungen im Segment der Mobilgeräte, Notebooks und Desktop-Konfigurationen vorgenommen. Alles deutet darauf hin, dass die Preiserhöhung von Apple der „Casus Belli“ war, d. h., dass damit für die Initiatoren der Sammelklage das Fass überlief.
Im Zusammenhang mit der gerade angestrengten Sammelklage gibt es noch viele offene Fragen, doch es ist bereits kein Geheimnis mehr, dass die Kläger im Rahmen des Rechtsstreits davon ausgehen, dass das Gericht letztendlich feststellen wird, dass die Führungsspitzen von Samsung, die Geschäftsführung von Micron sowie die von SK hynix im Rahmen eines Preiskartells die Speicherpreise manipuliert und in unerträgliche Höhen getrieben haben. Im Text der Sammelklage wird auch darauf hingewiesen, dass der Fall kein Einzelfall ist; bereits in den 2000er Jahren gab es einen ähnlichen Vorfall, als die Parteien ebenfalls ein Preiskartell bildeten, woraufhin Samsung und SK hynix eine massive Geldstrafe in Höhe von 731 Millionen Dollar auferlegt wurde und einige Führungskräfte sogar zu Haftstrafen verurteilt wurden.
Es bleibt vorerst ein Rätsel, ob die betreffende Sammelklage letztendlich mit einer Verurteilung des Trios enden wird; sicher ist jedoch, dass das Bild etwas komplexer ist, als es in den Prozessunterlagen dargestellt wird, aber die Umstände werden ohnehin vom Gericht geprüft werden, natürlich unter Einbeziehung entsprechender Sachverständiger, das heißt, bei Vorliegen ausreichender Beweise könnten die multinationalen Speicherhersteller erneut einen Rückschlag erleiden.