Im Zentrum unserer Galaxie befindet sich ein superschweres Schwarzes Loch, bekannt als Sagittarius A*. Es hat eine Masse, die 4,3 Millionen Mal so groß ist wie die der Sonne, und befindet sich in einer winzigen Region von nur 44 Millionen Kilometern Durchmesser. Aber das Schwarze Loch ist nicht allein: Es ist von Sternen umgeben, die es mit hoher Geschwindigkeit umkreisen, und ihre Bewegung ist die Quelle des Gravitationseffekts. Es gibt auch seltsame Gaswolken um es herum, und Experten glauben, dass sie endlich entdeckt haben, woher sie kommen.
Bei neuen Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte haben Forscher eine dritte Gaswolke neben den bereits bekannten G1- und G2-Gaswolken entdeckt. (Die neue Wolke wurde G2t und nicht G3 genannt, weil dieser Name an anderer Stelle für ein anderes Objekt verwendet wurde.) Der Ursprung von G1 und G2 war lange umstritten, und es war nicht ganz klar, ob es sich um reine Gaswolken handelte oder ob sie auch einen Stern enthielten. Die neue Entdeckung hat jedoch einige Fragen für Experten beantwortet. Die Wolken G1, G2 und G2t scheinen viel enger miteinander verwandt zu sein als bisher angenommen.
So könnte die G2t-Wolke ursprünglich der äußere Schweif der G2-Wolke gewesen sein, die bei ihrer Entdeckung im Jahr 2008 sichtbar war, jetzt aber völlig unabhängig geworden ist. Das Team ist bei der Verknüpfung der Gaswolken noch einen Schritt weiter gegangen und vermutet, dass G2 und G2t auch eng mit G1 verwandt sind, da sie sich beide auf der gleichen Umlaufbahn befinden.
Eine mögliche Erklärung für die Existenz von G2, die vor Jahren vorgeschlagen wurde, war, dass die Wolken jeweils einen großen, aufgeblähten Stern beherbergen. Die neue Studie zeigt, dass G1, G2 und G2t auf sehr ähnlichen Bahnen kreisen, obwohl sie leicht gegeneinander verdreht sind. Und es erscheint höchst verdächtig, dass in einer so extremen Umgebung die Bahnen von drei Objekten so ähnlich sein könnten, wenn sie nicht denselben Ursprung haben.
Der in der neuen Studie vorgestellten Erklärung zufolge sind diese Gaswolken das Ergebnis des Sternwinds des riesigen Doppelsternsystems mit der Katalogbezeichnung IRS 16SW. Diese Sterne verlieren kontinuierlich ihre äußeren Schichten, und das daraus stammende Gas sammelt sich in Klumpen um Sagittarius A* herum. Die Sterne stoßen das Material in leicht unterschiedlichen Richtungen ab, was zu kleinen Abweichungen in den Bahnen der Wolken führt, die jedoch im Wesentlichen sehr ähnlich bleiben.