Chinesische Speicherhersteller geraten immer häufiger ins Kreuzfeuer der Berichterstattung: mal, weil sie beim Marktanteil überraschende Fortschritte erzielen, mal, weil die Unterstützung für ihre Speicherchips ausgeweitet wird, manchmal werden sie jedoch auch der Patentverletzung und des Technologiediebstahls beschuldigt, natürlich nicht ohne Grund. Diesmal steht wieder CXMT, also ChangXin Memory Technologies, im Rampenlicht, da das Unternehmen über die chinesischen sozialen Medien, genauer gesagt auf Weibo, bekannt gegeben hat, dass es mit der Serienproduktion der nächsten Generation von LPDDR-Speicherchips, die auf dem LPDDR6-Standard basieren. Der erste bedeutende Partner wird Xiaomi sein; die Smartphones der nächsten Generation des Unternehmens basieren bereits auf der neuen chinesischen Entwicklung, doch später könnten auch andere Partner mit den neuen Speicherchips beliefert werden.
Aufgrund früherer Pläne war es natürlich zu erwarten, dass CXMT in Kürze mit der Serienproduktion von LPDDR6-Speicherchips beginnen würde; überraschend ist jedoch, dass das Unternehmen unter den Branchenakteuren in diesem Bereich die Vorreiterrolle einnehmen und damit die drei großen globalen Speicherhersteller überholen wird. Natürlich ruhen sich auch die Experten von Samsung, SK hynix und Micron nicht auf ihren Lorbeeren aus – ihre eigenen Lösungen werden den Markt in Kürze überschwemmen. LPDDR6 selbst wird einen großen Fortschritt darstellen, da es im Gegensatz zu seinen Vorgängern der vorherigen Generation nun PAM3-Signalübertragung anstelle des früheren NRZ-Verfahrens nutzt. Eine weitere wichtige Änderung wird sein, dass die maximale Datenübertragungsrate im Laufe der Zeit auf 43,2 GT/s ansteigen wird, wobei jedoch die Speicherbusbreite von 32 Bit auf 24 Bit reduziert wird, was erhebliche Anpassungen sowohl auf Hardware- als auch auf Softwareebene erfordert.
Aufgrund der oben genannten Punkte scheint der Neuling CXMT die drei großen globalen Speicherhersteller in Sachen Entwicklungsgeschwindigkeit eingeholt zu haben, da er ungefähr zur gleichen Zeit mit der Produktion der LPDDR6-Speicherchips der nächsten Generation beginnt wie Samsung, SK hynix und Micron. Dies ist ein bedeutender Erfolg, vor allem auch deshalb, weil das Unternehmen als erstes den Start der Serienproduktion der LPDDR6-Speicherchips angekündigt hat, was jedoch noch lange nicht bedeutet, dass das chinesische Unternehmen in Bezug auf Technologie und Fertigungskapazitäten mit seinen großen „westlichen“ Konkurrenten auf Augenhöhe ist. Die Situation wird durch die Tatsache weiter relativiert, dass die LPDDR6-Speicherchips bislang nur an einen einzigen Partner geliefert werden, d. h., bei den übrigen Kunden laufen die Zertifizierungstests noch, was vorerst einen stark begrenzten Absatzmarkt bedeutet.
Trotz alledem ist das Ergebnis ein bedeutender Meilenstein, denn bisher hinkten die chinesischen Speicherhersteller ihren Konkurrenten sowohl bei der technologischen Entwicklung als auch beim Start der Serienproduktion meist hinterher; bei den LPDDR6-Speicherchips zeichnen sich jedoch Anzeichen für einen Aufholprozess ab. Man darf natürlich nicht vergessen, dass über die konkreten Parameter der Speicherchips bislang noch nichts bekannt ist, die Entwicklung der Ausbeutequote ebenfalls unbekannt ist und auch unklar ist, in welchen Mengen die neuen Produkte hergestellt werden. Die Spitzenposition ist zwar unbestritten, doch für einen genaueren Überblick über die Situation wären weitere Details erforderlich.